Preisträger Johannes Böhm und sein Team entwickelten „Wiener Projektionsfunktionen“ (Vienna Mapping Functions, VMF)
DI Robert Schedler, VCE Vienna Consulting Engineers ZT GmbH nominiert für das Projekt: Chenab Kabelkran, Indien – der größte Kabelkran der Welt
Mag. Maria Vassilakou und DI Michaela Ragoßnig-Angst und Jurorin DI Brigitte Jilka.

4. Wiener Ingenieurpreis

Heimische Ingenieure bereits zum 4. Mal vor dem Vorhang

In einem gemeinsamen Festakt wurden am 12. November im Festsaal des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins in der Eschenbachgasse, 1010 Wien, der 4. Wiener Ingenieurpreis, der Rudolf-Wurzer- Preis für Raumplanung und das Roland- Rainer-Stipendium vergeben. Zusammen mit der Stadt Wien vergibt die Kammer heuer bereits zum 4. Mal den Wiener Ingenieurpreis.

Der Preisträger 2014, Univ.-Prof. Dr. Johannes Böhm, übernahm den mit 10.000 Euro dotierten Preis für sein Team aus den Händen von Vizebürgermeisterin Mag. Maria Vassilakou und DI Michaela Ragossnig-Angst, Vorsitzende der Sektion Ingenieurkonsulenten der Kammer.

Damit wird erstmals ein Projekt aus dem Bereich der Vermessungstechnik prämiert. Ein hochspezialisierter Beruf, der sich aus der ursprünglichen Landvermessung und Kartografie in die lichten Höhen des Weltalls entwickelt hat. Jeder nutzt heute GPS oder Google Maps. Doch damit etwa ein Standort genau ermittelt werden kann, braucht es mehr.Die an der Technischen Universität Wien von Prof. Johannes Böhm entwickelten „Wiener Projektionsfunktionen“ (Vienna Mapping Functions, VMF) sind international anerkannter Standard, wenn es um die Modellierung atmosphärischer Laufzeitverzögerungen mit höchsten Genauigkeitsanforderungen bei GPS und anderen geodätischen Weltraumverfahren geht. Davon profitieren Ingenieure im Bereich des Vermessungswesens ebenso wie Wissenschaftler, die den Meeresspiegelanstieg untersuchen. Mittlerweile greift selbst die NASA auf das in Wien entwickelte System zurück.

Die „Vienna Mapping Functions“ stellen eine Wiener Erfolgsgeschichte im Bereich des Ingenieurwesens dar. Konzipiert für verbesserte GPS-Positionsbestimmungen im Bereich des Vermessungswesens und der Geodäsie verknüpfen sie aktuelle numerische Wettermodelle der Meteorologen mit einem innovativen mathematischen Ansatz basierend auf der Lösung der Eikonalgleichung. Wer weiß – vielleicht finden sie auch schon bald den Weg in kleinste Navigationsgeräte wie Smartphones.

Nachwuchsmangel
Trotzdem österreichische Ingenieurleistungen weltweite Beachtung finden, ist ihr Ansehen in der breiten Öffentlichkeit unangemessen gering. Diese fehlende Wertschätzung schlägt sich in einem bedenklichen Mangel an Nachwuchskräften nieder; und das, obwohl die Nachfrage nach Absolventen technischer Studien ständig steigt. Angehenden Jungingenieuren bietet sich ein weites Betätigungsfeld: von der technischen Chemie, dem Maschinenbau, der Elektrotechnik und Elektronik über das Bauwesen und die Kulturtechnik bis hin zur Raumplanung.

Wiener Ingenieurpreis
Der Wiener Ingenieurpreis wurde 2008 von der Stadt Wien gemeinsam mit der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland ins Leben gerufen und wird alle zwei Jahre vergeben. Ausgezeichnet werden außerordentliche Leistungen von Wiener IngenieurInnen und Ingenieurteams. Mit der Vergabe dieses Preises sollen die öffentliche Wahrnehmung und die gesellschaftliche Wertschätzung für technische Berufe gesteigert werden. Aus 31 Einreichungen wurden in zwei Jurydurchgängen fünf Ingenieurteams mit Projekten unterschiedlicher Fachbereiche nominiert und aus diesen das Siegerteam ermittelt.

Der Rudolf-Wurzer-Preis für Raumplanung

Gesucht: Forschungsvorhaben mit Vorbildcharakter

Der Rudolf-Wurzer-Preis für Raumplanung wird im Zweijahresrhythmus an Absolventen einschlägiger Studienrichtungen österreichischer Universitäten vergeben, deren Forschungsarbeiten Vorbildcharakter für die Praxis der Stadtentwicklung und Raumplanung in Österreich haben. Aus 32 Bewerbern wurden heuer DI Sabine Lutz, DI Daniela Allmeier und DI Stefan Groh als Hauptpreisträger ausgewählt. Zwei Anerkennungspreise wurden an DI Dr. techn. Johannes Suitner sowie an DI Vera Seriakov und DI Nela Kadic für ihre gemeinsame Arbeit verliehen

Das Roland Rainer Forschungsstipendium 2014

Großwohnanlagen weiterbauen, Urbanität erzeugen

2014 waren Architektinnen und Architekten aufgerufen, ihre Konzepte für Untersuchungen
zum Potenzial von Großwohnanlagen aus den Jahren 1950 bis 1980 mit Schwerpunkt Wien einzureichen. Ziel sollte ein möglichst innovativer und interdisziplinärer Forschungszugang zur Neubewertung dieser Standorte sein. Aus den zahlreichen Bewerbungen wurde das Projekt „Das Büro der Gesellschaft“ des österreichischen Wissenschaftsfonds FWF von Andreas Rumpfhuber mit dem interessantesten Forschungsansatz ausgewählt.